Retrospektive des „Europäischen Jahres der Freiwilligentätigkeit“
Engagement ohne Grenzen
Wenn sie das Wort „Europa“ hören, fallen den meisten Menschen momentan vermutlich vor allem Negativschlagzeilen rund um die Euro-Krise und den „Rettungsschirm“ ein. Dass das Jahr 2011 im europäischen Kontext auch von grenzübergreifendem Zusammenhalt und gemeinsamem Engagement geprägt ist, mag in den Medien angesichts der jüngsten finanzpolitischen Entwicklungen etwas untergegangen sein. Ein guter Grund, das „Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit zur Förderung der aktiven Bürgerschaft“ (EJF) Revue passieren zu lassen.

- Etappe der Freiwilligentour in Berlin
Europas Freiwillige in Zahlen
Anliegen der partnerschaftlichen Aktion aller 27 EU-Staaten ist es, den gesellschaftlichen Wert des bürgerschaftlichen Engagements zu würdigen und noch nicht aktive Menschen für eine Freiwilligentätigkeit zu begeistern. Mit 23 Prozent engagiert sich fast ein Viertel der Europäer. Spitzenreiter sind die Länder Großbritannien, Niederlande, Österreich und Slowenien mit einer Engagiertenquote von rund 40 Prozent. In Deutschland, Dänemark, Finnland und Luxemburg setzen sich etwa 36 Prozent der Bevölkerung für das Gemeinwohl ein. Schon deutlich weniger sind es in Frankreich, Litauen und Estland, hier sind knapp 25 Prozent der Bevölkerung engagiert, in allen weiteren EU-Ländern sind es weniger als 20 Prozent.
Zurückzuführen sind die unterschiedlichen Freiwilligenzahlen in erster Linie auf die jeweiligen Engagementtraditionen. Zudem korrelieren sie stark mit der wirtschaftlichen Grundsituation der EU-Länder: Denn Menschen, die sozial abgesichert und gebildet sind, haben eher die Möglichkeit, sich einer nicht entlohnten Tätigkeit zu widmen. Auch die jeweiligen rechtlichen Rahmenbedingungen und politischen Modelle spielen eine zentrale Rolle. Eine zukunftsweisende Chance des EJF liegt daher in dem geforderten intensiven Austausch der EU-Mitgliedsländer zum bürgerschaftlichen Engagement und den damit einhergehenden Lerneffekten. Kanalisiert wird die Netzwerkarbeit im Europäischen Jahr durch die „EYV 2011 Alliance“. Seit Anfang des Jahres erarbeitet das Bündnis von über 40 europäischen Dachorganisationen in themenspezifischen Arbeitsgruppen engagementpolitische Impulse, Lösungsmodelle und Strategiepapiere.
Die EU-Kommission förderte darüber hinaus 35 besonders innovative Projekte, die das Potenzial haben, organisatorische Strukturen für bürgerschaftliches Engagement in den jeweiligen Ländern nachhaltig zu stärken. Zwei dieser Leuchtturmprojekte fanden in Deutschland statt: Die Fachtagung zur „Förderung des ehrenamtlichen Engagements Jugendlicher“ des Landesjugendrings Berlin und das Projekt „Active Citizens for better Communities“ vom Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE).

- Staatssekretär Josef Hecken und Publikum
Unterwegs in Sachen Engagement
Entsprechend des Mottos „Freiwillig. Etwas bewegen!“ ist die interaktive Freiwilligentour in den 27 EU-Hauptstädten eine zentrale Drehscheibe des EJF. Sie soll den persönlichen Dialog zwischen europäischen Engagierten beflügeln, die Aktivitäten der einzelnen Nationen verbinden und nicht zuletzt für öffentliche Aufmerksamkeit sorgen. Mitte Oktober gastierte die Tour am Potsdamer Platz in Berlin. Freiwillige und Organisationen präsentierten hier ihre Projekte und Aktivitäten. Auch das Team des Deutschen Engagementpreises war mit dabei und lud die Besucher ein, direkt vor Ort über den Publikumspreis 2011 abzustimmen.
Die Etappe der Freiwilligentour war jedoch nur eines von vielen Programmpunkten des EJF innerhalb Deutschlands: Sieben regionale Konferenzen beleuchten verschiedene Aspekte des bürgerschaftlichen Engagements, zum Beispiel generationenübergreifendes Engagement, Partizipation und Integration oder Freiwilligentätigkeit im Natur- und Umweltschutz. Im Juni wurden in der Europastadt Görlitz zudem rund 80 freiwillig Engagierte aus Deutschland, Polen, Tschechien und Österreich von Bundespräsident Christian Wulff geehrt. Auch die jährlich stattfindende „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ setzte im September einen deutlichen Schwerpunkt auf die europäische Dimension der Freiwilligentätigkeit.
Coming soon
Wir können schon jetzt auf ein spannendes „Europäisches Jahr der Freiwilligentätigkeit“ zurückblicken, in dem aufgezeigt wurde, in welch vielfältiger Weise freiwilliges Engagement das Leben der Europäer bereichert. Offiziell beendet wird das EJF 2011 in Deutschland mit der Verleihung des Deutschen Engagementpreises. Der Deutsche Engagementpreis stellt in diesem Jahr mit einer Schwerpunktkategorie das Engagement älterer Menschen in den Mittelpunkt, um dessen Wert und Vorbildcharakter stärker ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Auch im "Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen 2012" wird dies ein zentrales Thema sein. Ziel des Jahres ist ein gewandeltes Verständnis des aktiven Alterns und die Unterstützung des Zusammenhalts der Generationen in der Gesellschaft.
Service
Webtipps zum EJF
Sie möchten mehr über das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit und der damit verbundenen Veranstaltungen und Initiativen erfahren? Wir haben Ihnen eine Auswahl interessanter Links und Anlaufstellen zusammengestellt:
- Deutsche Website zum EJF: www.ejf2011.de
- Europäische Website zum EJF: www.europa.eu/volunteering
- EYV Alliance: www.eyv2011.eu
- EJF bei Facebook: www.facebook.com/ejf2011
- International Year of Volunteers: www.worldvolunteerweb.org
Archiv
Weitere Schwerpunkt-Beiträge
Freiwilligendienste im Wandel: Zwölf Monate geben
Chancen und Potenziale der Generation "60plus": Zeit für Engagement
Im Zeichen der Vielfalt – Verleihung des Deutschen Engagementpreises 2010
Spenden und Stiften: Milliardäre, Glück und Katastrophen
Online-Volunteering: Neue Zahlen, neue Chancen
Ältere Beiträge sowie alle PDF-Newsletter finden Sie im Archiv


