Schwerpunkt: Zeit für Engagement

Chancen und Potenziale der „Generation 60plus“

Sie sind aktiver, gesünder, selbstständiger und dabei unverzichtbarer denn je: Seniorinnen und Senioren gehören zu den engagiertesten Bevölkerungsschichten in Deutschland, etwa ein Drittel von ihnen übt ein Ehrenamt aus. Freiwilliges Engagement von über 60-Jährigen hat 2009 im Vergleich zu 1999 sogar um sieben Prozentpunkte auf 37 Prozent zugelegt. Ältere Menschen bilden damit die am stärksten wachsende Gruppe engagierter Bürgerinnen und Bürger. In den letzten zehn Jahren konnte durch sie der zu verzeichnende Rückgang bei den jüngeren Engagierten ein Stück weit ausgeglichen werden. Dies brachte der 3. Freiwilligensurvey (2009) zutage, eine repräsentative Bevölkerungsumfrage von rund 20.000 Personen zum bürgerschaftlichen und ehrenamtlichen Engagement, die im Fünf-Jahres-Rhythmus durchgeführt wird.

 

Engagement verbindet
Engagement verbindet

Die Engagementmotive der Älteren sind vielschichtig: Nach einem langen, aktiven Arbeits- und Familienleben fällt es vielen Menschen schwer, die neu gewonnene Zeit konstruktiv zu füllen. Für sie bieten freiwillige Tätigkeiten eine Chance, der Zeit nach dem Arbeitsleben Sinn und Struktur zu geben. Zudem ermöglichen sie die Teilhabe an Freizeitangeboten und soziale Integration. Andere wollen der Gesellschaft etwas zurückgegeben, indem sie ihre Erfahrungen und ihr Wissen oder finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. Auch wer geistig fit bleiben möchte, sollte über den freiwilligen Einsatz nach dem Erwerbsleben nachdenken. Denn ob Hilfestellung im persönlichen Umfeld, der Besuch von Fortbildungskursen, Freiwilligenarbeit, die Mitgliedschaft in Vereinen oder parteipolitisches Engagement: Gerontologische Studien belegen, dass alle diese Formen des Engagements den Erhalt des Erinnerungsvermögens, des Wortschatzes und der Kommunikationsfähigkeit fördern.

Potenziale der älter werdenden Gesellschaft nutzen

Rund 25 Prozent der bislang nicht engagierten Seniorinnen und Senioren – zwei Millionen Menschen – würden mit einem Engagement beginnen, wenn sich ihnen passende Gelegenheiten eröffnen. Angesichts der demografischen Entwicklungen gerät dieses nicht ausgeschöpfte Engagementpotenzial älterer Menschen zunehmend in den Blickwinkel. Seit 1950 ist die durchschnittliche Lebenserwartung weltweit um 20 Jahre gestiegen und wird sich bis 2050 voraussichtlich um weitere zehn Jahre erhöhen. Und dabei haben „die heute über 50-Jährigen eine höhere Qualifikation sowie auch mehr Mittel und Zeit als jede Generation vor ihr“, sagt Dietmar Meister, Vorstandssprecher der Generali Deutschland Holding AG.
Mit ihrem Corporate-Citizenship-Programm "Bürger unternehmen Zukunft" setzt die Versicherungsgruppe bei ihrer Engagementförderung deshalb gerade auf „die erfahrenen Mitglieder unserer Gesellschaft“ und will in den kommenden fünf Jahren „das Engagement der Generation 55plus auf breiter Ebene unterstützen.“

2. Zukunftssymposium in Köln

Bewusstseinswandel beim Seniorenengagement 

Entsprechende strategische Rahmenbedingungen wurden im Juni 2010 beim 2. Zukunftssymposium zum Thema „Bürgerengagement von Senioren – Perspektiven einer Gesellschaft des langen Lebens“ diskutiert. Konsens herrschte bei den rund 150 teilnehmenden Experten aus zivilgesellschaftlichen Organisationen, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien in einem Punkt: Es gilt, die Potenziale und Ressourcen der Älteren zu nutzen, von ihrem Erfahrungswissen zu partizipieren und sie in ihrem Engagement noch systematischer zu unterstützen. „Beim Seniorenengagement erleben wir einen Bewusstseinswandel. Zunehmend wird anerkannt, dass ältere Menschen einen unschätzbaren Beitrag leisten und keine Belastung, sondern eine Bereicherung für die Gesellschaft sind“, konstatierte etwa Prof. Dr. Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen.

Auf politischer Ebene wurden diese Entwicklungen erkannt und entsprechende Maßnahmen zur Engagementförderung älterer Mitbürgerinnen und Mitbürger ergriffen: Die Bundesregierung startete mit Partnern aus Wirtschaft und Gesellschaft die Initiative "Erfahrung ist Zukunft", die für die Herausforderungen des demografischen Wandels sensibilisieren und für ein neues Bild des Alters und des Alterns werben will. Auch das Bundesfamilienministerium, bei dem die Engagementpolitik angesiedelt ist, richtet sich mit speziellen Angeboten an diese Altersgruppe und fördert z.B. innerhalb des Modellprogramms "Aktiv im Alter“ in insgesamt 175 Kommunen Projekte, in denen ältere Menschen für das Gemeinwesen aktiv sind. Ziel des Förderprogramms ist die Verbesserung der Rahmenbedingungen für das bürgerschaftliche Engagement dieser Generation sowie das Vorantreiben einer innovativen kommunalen Seniorenpolitik.

Preisübergabe in der Kategorie "Politik & Verwaltung"
Preisübergabe in der Kategorie "Politik & Verwaltung"

Anerkennung freiwillig engagierter älterer Menschen

Wie das in der Praxis funktionieren kann, zeigt die Stadt Arnsberg, die in Deutschland mit ihrer Seniorenpolitik ein Vorbild geworden ist. Bereits Mitte der Neunzigerjahre wurde dort das Projekt „Mehr Lebensqualität im Alter – Jung und Alt meistern die Zukunft!“ gegründet, welches zahlreiche Angebote und Einzelprojekte für eine erfolgreiche und konstruktive Gestaltung des demografischen Wandels auf kommunaler Ebene bündelt: von altersgerechten Bildungsangeboten über Hilfen und Einrichtungen für Menschen mit Demenz und Behinderungen bis hin zu einer eigenen Beratungsstelle für Arnsberger Senioren, die sich selbst für andere einsetzen möchten. Für diesen innovativen und ganzheitlichen Ansatz wurde die Stadt Arnsberg unter anderem mit dem Deutschen Engagementpreis 2010 in der Kategorie Politik & Verwaltung ausgezeichnet. Um noch mehr solcher Beispiele aufzuzeigen und das Engagement ihrer Initiatoren und Mitwirkenden anzuerkennen, wird im diesjährigen Wettbewerb dem Engagement von Älteren eine eigene Schwerpunktkategorie gewidmet.

Wie aktiv werden?

Viele Menschen setzen sich in späteren Lebensjahren also bereits für die Gesellschaft ein, sie handeln aus altruistischen Motiven und erhöhen zugleich ihre eigene Lebensqualität. Wie aber findet man ein Einsatzfeld, das den eigenen Interessen und Stärken optimal entspricht? Unterstützt werden ältere Menschen bei der Suche nach der richtigen Tätigkeit z.B. durch Freiwilligenagenturen, die Interessierte und Organisationen mit Unterstützungsbedarf vernetzen. Eine weitere zentrale Anlaufstelle sind Seniorenbüros, die sich in vielen Städten und Gemeinden finden. Wer bereit ist, sich längerfristig und verbindlich für ein Engagement zu entscheiden, für den kann auch der neue Bundesfreiwilligendienst eine Option sein: Der in der Regel  zwölfmonatige Dienst wird ab dem 1. Juni 2011 als freiwillige Alternative für die wegfallenden Einsatzplätze aus Wehrpflicht und Zivildienst angeboten. Im Gegensatz zum Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) steht der neue Bundesfreiwilligendienst jedoch nicht nur jungen Menschen, sondern allen nicht mehr schulpflichtigen Männern und Frauen offen. Angesichts des großen gesellschaftlichen Bedarfes möchte das Bundesfamilienministerium gerade im sozialen Bereich verstärkt Seniorinnen und Senioren für den Einsatz gewinnen. Denn viele Einrichtungen stehen vor der Herausforderung,  ab Sommer ohne Zivildienstleistende auskommen zu müssen.

SERVICE

Tipps für Engagierte und Interessierte

Sie möchten mehr über das Engagement von Älteren erfahren oder sich selbst engagieren und suchen noch nach einer Möglichkeit, die optimal zu Ihnen passt? Wir haben Ihnen eine Auswahl interessanter Links und Anlaufstellen erstellt und wünschen Ihnen viel Freude und Erfolg bei der Suche nach Ihrem Engagement!

Veranstaltungen von Vereinen und Organisationen, die ältere Menschen adressieren oder sich an Menschen wenden, die mit Seniorinnen und Senioren zusammen arbeiten finden Sie unter: 

www.wissensdurstig.de

"Vital in Deutschland" ist eine gemeinnützig ausgerichtete Initiative der Deutschen Post. Ziel ist es, älteren Mitmenschen einen besseren Zugang zu kommunalen Angeboten aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens wie Kultur, Freizeit, Bildung oder Sport zu verschaffen.

www.vitalindeutschland.de

"Erfahrung ist Zukunft" ist eine Initiative der Bundesregierung mit Partnern aus Wirtschaft und Gesellschaft. Gemeinsam zeigen die Initiatoren Perspektiven in den Handlungsfeldern Arbeitswelt, Bildung, Engagement und zu Alltagsfragen in den Bereichen Gesundheit, Mobilität, Wohnen, Verbraucherfragen sowie Rente und Vorsorge auf.

www.erfahrung-ist-zukunft.de

Träger und Einsatzstellen können kostenlos offene Stellen für den Bundesfreiwilligendienst (BFD) anbieten. Interessierte Stellenbewerber erhalten so die Möglichkeit, mit den Trägern in Kontakt zu treten und sich eine für sie passende Stelle auszusuchen.

www.bundes-freiwilligendienst.de

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